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Postdocs

Postdoc-Netzwerk: Kognitive Konflikte bei der Mediennutzung

Mit dem Programm unterstützt das IWM exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die eine akademische Karriere anstreben.

Das IWM hat sich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verpflichtet. Während bereits zahlreiche Institutionen strukturierte Förderprogramme für Doktorandinnen und Doktoranden (z.B. Programm des IWM) anbieten, gibt es bisher kaum geeignete systematische Förderprogramme für die anschließende Postdoktoranden-Phase. Mit dem vom Senatsausschuss Wettbewerb geförderten Postdoktoranden-Netzwerk “Cognitive Conflicts During Media Use” übernimmt das Leibniz-Institut für Wissensmedien eine Vorreiterrolle bei der Förderung von Postdoktoranden und Postdoktorandinnen.

Figure 1

Das Postdoktoranden-Netzwerk, welches von den Postdoktorandinnen und Postdoktoranden weitgehend selbst verwaltet wird, fördert gezielt solche Nachwuchsforschenden, die nach erfolgreich abgeschlossener Promotion eine akademische Karriere anstreben. Das zentrale Ziel der Fördermaßnamen des Netzwerks besteht darin den beteiligten Postdoktoranden und Postdoktorandinnen den Aufbau eines eigenständigen Forschungsprofils zu ermöglichen und sie beim Erwerb damit einhergehender Drittmittel zu unterstützen. Zur Erreichung dieses Ziels stehen den Mitgliedern des Postdoktoranden-Netzwerkes unter anderen folgende Ressourcen zur Verfügung.

 

  • Fördermittel zur Vorbereitung von Drittmittelanträgen
  • Fördermittel für Forschungsaufenthalte im Ausland
  • Fördermittel zur Organisation von Workshops, Mentoring und Training
  • Reisemittel für Konferenzbesuche
  • Mittel zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie



Das Netzwerk wird von den Professoren und Professorinnen des IWM betreut: 




Folgende Projekte werden innerhalb des Netzwerks gefördert:
A. Schüler, AG Multiple Repräsentationen & M. Merkt, Alumnus
Erkennen und Umgang mit Konflikten in dynamischen Lernumgebungen

Zusammenfassung: Empirische Studien zeigen, dass digitale Lernumgebungen mit unterschiedlichen Darstellungsformaten das Lernen unterstützen. Bisher wurden jedoch die Auswirkungen möglicher Konflikte zwischen verschiedenen Darstellungsformaten vernachlässigt. In diesem Projekt untersuchen wir die Auswirkungen von Konflikten zwischen verbalen und bildlichen Informationen in dynamischen audiovisuellen Darstellungen. Insbesondere interessiert uns, ob Lernende Konflikte erkennen und ob Konflikte die Informationsverarbeitung (erfasst über Eye-Tracking) und das Lernergebnis (erfasst über Wissenstests) beeinflussen.

A. Schüler, AG Multiple Repräsentationen, E. Domahidi & M. Merkt, beide Alumni
Der Einfluss von Konflikten in Social Media Profilen auf die Beurteilung von Expertise

Zusammenfassung: “Social Media“ sind multimodale Informationsumgebungen, die häufig widersprüchliche Bild- und Textinhalte enthalten. Trotz der wachsenden Bedeutung von sozialen Medien für die Informationssuche ist die Wirkung von widersprüchlichen Informationen, die durch Social Media-Profile vermittelt werden, noch nicht untersucht worden. Das Projekt baut auf einer ersten Pilotstudie zum Thema auf und analysiert die Informationsverarbeitung in konfliktreichen multimodalen Informationsumgebungen mit bild- und textbasierten Informationen. In einer Reihe von Experimenten, die das Verhältnis zwischen multimodalen Informationen (d.h. mit vs. ohne Konflikten zwischen Text und Bild; mit vs. ohne Konflikten innerhalb von Texten) manipulieren, wird der Einfluss von Konflikten auf die Beurteilung von Expertise sowie auf die Wahrnehmung und Erinnerung an den wahrgenommenen Konflikt untersuchen.

D. Becker, AG Soziale Prozesse & A. Schüler, AG Multiple Repräsentationen
Der Einfluss von Konflikten auf Aufmerksamkeit und Gedächntis bei (un)klarer Aufgabenlösung

Zusammenfassung: Ziel des Forschungsprojektes ist es, den Einfluss von Entscheidungskonflikten (z.B.  welche Option zu wählen ist) und Informationskonflikten (z.B. welcher Quelle vertraue ich) auf Aufmerksamkeit und Gedächtnis untersuchen. Beide Arten von Konflikten sind im Alltag allgegenwärtig und können bei der Nutzung digitaler Medien noch häufiger und intensiver erlebt werden, da mehr Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen und mehr Informationen gesammelt werden können. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Konflikte die Aufmerksamkeit auf und die Erinnerung an aufgabenrelevanten Merkmalen erhöhen. Wichtig ist, dass dies vor allem bei Konflikten mit einer einzigen richtigen Lösung (z.B. Antwortkonflikt in einer Stroop-Aufgabe) gezeigt wurde. Entscheidungs- und Informationskonflikte sind jedoch dadurch gekennzeichnet, dass es keine eindeutig korrekte Lösung gibt. Dies kann dazu führen, dass Aufmerksamkeit und Gedächtnis auf mehrere Merkmale verteilt sind und die Aufgabe zusätzlich mit einer erhöhten Unsicherheit einhergehen. Die Experimente untersuchen daher den Einfluss von Entscheidungs- und Informationskonflikten auf die Aufmerksamkeitszuteilung und das Gedächtnis mit Hilfe einer Reihe von abhängigen Ergebnisvariablen und Online-Messungen (z.B. Gedächtnisleistung, Reaktionszeit, Maus-Tracking-Daten, Augenbewegungsdaten).

M. Ninaus, NG Neuro-kognitive Plastizität, S. Huber & M. Bientzle, beide Alumni
Sensorgestützte Messung kognitiver Konflikte in digitalen Lernumgebungen

Zusammenfassung: Der Umgang mit Informationen im Internet ist in der Regel ein selbstgesteuerter Prozess und kann oft zu kognitiven Konflikten führen. Obwohl ein mittleres Niveau kognitiver Konflikte als vorteilhaft für die Lernergebnisse angesehen wurde, sind die empirischen Erkenntnisse über kognitive Konflikte als Lernstrategie gemischt. Eines der Hauptprobleme ist die Beurteilung kognitiver Konflikte. Die derzeitigen Auswertungsmethoden sind suboptimal und basieren größtenteils auf Techniken der Selbstauskunft. Ziel des vorliegenden Projekts ist es daher, präzise, objektive und kontinuierliche Maße zu identifizieren, mit denen kognitive Konflikte unter Verwendung verhaltensbezogener und physiologischer Parameter (d.h. Herzfrequenz, elektrodermale Aktivität, Mausbewegungen, Augenbewegungen, Gesichtsausdruck und Kopfhaltung) gemessen werden können.

K. Bernecker, AG Soziale Prozesse & M. Ninaus, Neuro-kognitive Plastizität
No pain, no gain? Investigating motivational effects of game elements in cognitive tasks

Zusammenfassung: Studien zu Serious Games und Gamification belegen einen positiven Einfluss von Spielelementen auf das Lernen für ein breites Themenspektrum (z.B. STEM-Themen, Arbeitsgedächtnistraining). Die Mechanismen, über welche Spielelemente das Lernen beeinflussen, sind jedoch noch nicht ausreichend untersucht. Dieses Forschungsprojekt untersucht deshalb die Wirkung von drei häufig verwendeten Spielelementen (Fortschrittsbalken, Punktestand, Spielkontext) auf motivationale und emotionale Prozesse (positiven Affekt, Motivationskonflikt, erlebte Anstrengung) während der Bearbeitung einer anstrengenden Arbeitsgedächtnisaufgabe („N-Back“ Aufgabe). Dabei konzentriert sich Studie 1 auf die kombinierte Wirkung dieser Spielelemente auf die Aufgabenleistung/Persistenz, sowie die erlebten emotionalen und motivationalen Zustände. Studie 2 zielt darauf ab, die Effekte zu replizieren und variiert zusätzlich das Spielelement des Kontextes als entweder künstlich ("Gehirn versus Zombies") oder real (Arbeitsgedächtnistraining). Als zweites Ziel unserer Forschung werden wir individuelle Unterschiede in der Wirksamkeit von Spielelementen untersuchen. Wir testen, ob Menschen, die mehr durch sofortige als durch verspätete Belohnungen motiviert sind (z.B.  Personen mit niedrigem Belohnungsaufschub und hoher Selbstkontrolle) mehr von Spielelementen profitieren.

H. Meyerhoff, AG Realitätsnahe Darstellungen & M. Ninaus, Neuro-kognitive Plastizität
Kognitives Training: Der Einfluss von Spielelementen auf Multiple-Object-Tracking

Zusammenfassung: Die visuelle Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die an fast jeder menschlichen Tätigkeit beteiligt ist. Obwohl die vorliegenden Forschungsergebnisse darauf hinweisen, dass diese Fähigkeit erfolgreich trainiert werden kann, erfordert sie von den Teilnehmern enorme Anstrengungen, um eine Verbesserung der visuellen Aufmerksamkeit zu erreichen. Die Teilnahme an solchen konventionellen kognitiven Trainings ist in den meisten Fällen von dem kognitiven Konflikt begleitet, sich angenehmeren Aktivitäten zuzuwenden und so die kognitive Herausforderung des Trainings zu vermeiden. Um diesen kognitiven Konflikt zu reduzieren, können Spielelemente eine hilfreiche Ergänzung zu Trainingsumgebungen sein. Im vorliegenden Projekt untersuchen wir daher, wie sich einzelne Spielelemente in einem sehr anspruchsvollen Paradigma der visuellen Aufmerksamkeit auf Leistung und Motivation auswirken. Genauer gesagt, untersuchen wir den Einfluss von Punkten/Feedback, Ranglisten und Themen/Narrativen auf Leistung, Leistung über die Zeit und selbstberichtete Motivation in einem Multiple-Object Tracking-Paradigma. Damit wollen wir zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen von Spielelementen auf die Leistung sowie zur Verbesserung der zugrunde liegenden Aufmerksamkeitsressourcen beitragen.

J. Bahnmüller, AG Neurokognitive Plastizität & J. Richter, AG Multiple Repräsentationen
Der Einfluss von Hervorhebungen auf numerisch-linguistische Konflikte bei der einfachen Zahlenverarbeitung

Zusammenfassung: Eine wachsende Zahl von Forschungsarbeiten zeigt, dass die kontraintuitive Inversion von Zehner und Einer in verschiedenen Zahlenwortsystemen (z.B. 25 ~ "fünfundzwanzig") ein Hindernis beim Erwerb von Zahlenwissen darstellt. Während die meisten Studien zu dem Schluss kommen, dass die Inversion von Zahlenwörtern nachteilige Auswirkungen auf die numerische Verarbeitung hat, sind Vorschläge zur Überwindung dieses Hindernisses meist anekdotisch. Durch die Verknüpfung von Grundlagenforschung zu numerischer Kognition mit einer didaktischen Unterstützungsmaßnahme, die nachweislich überwiegend das Lernen mit Text und Multimedia unterstützt, setzen wir in diesem Projekt farbliche Hervorhebungen als Mittel zur Manipulation externer Reizmerkmale ein, um interne Konflikte zwischen der arabischen Ziffernnotation und einer invertierten Zahlenwortbildung zu reduzieren. In einem ersten Schritt untersuchen wir systematisch mögliche Hervorhebungseffekte (d.h. die Hervorhebung bestimmter Ziffern oder Teile von Zahlenwörtern) im Rahmen einer zweistelligen Zahlenvergleichsaufgabe bei Erwachsenen, die eine invertierte Sprache sprechen. Dabei ermöglicht der Zahlenvergleich die Untersuchung von Hervorhebungseffekten sowohl innerhalb eines Formats als auch formatübergreifend (arabische Ziffern- und Zahlenwortnotation) und erlaubt daher einen direkten Test der Konfliktreduktion, wenn eine Integration zwischen der arabischen Ziffernnotation und invertierten Zahlenwörtern zur Aufgabenausführung erforderlich ist.

Y. Kammerer, AG Multimodale Interaktion & M. Merkt, Alumnus
Der Einfluss von Inter-Text-Widersprüchen und Text-Einstellungs-Widersprüchen auf die Berücksichtigung von
Quelleninformationenbeim Lesen sozio-wissenschaftlicher Informationen im Internet

Zusammenfassung: Das Projekt basiert auf den Annahmen des D-ISC-Modells (Discrepancy-Induced Source Comprehension) von Braasch und Bråten (2017). Dieses Modell postuliert, dass sowohl Widersprüche zwischen Dokumenten (Inter-Text-Widersprüche) als auch Widersprüche zwischen einem oder mehreren Dokumenten und den bestehenden Einstellungen einer Person (Text-Einstellungs-Widersprüche) die Aufmerksamkeit auf und das Gedächtnis für Quellen (d.h. woher die Informationen stammen) beim Lesen von Internet-Dokumenten erhöhen. Bislang wurden jedoch nur Widersprüche zwischen Texten oder Widersprüche zwischen den persönlichen Einstellungen und im Text enthaltenen Informationen untersucht. In dem geplanten Projekt soll das Zusammenspiel beider Arten von Widersprüchen in zwei Eye-Tracking-Experimenten untersucht werden. Die Aufgabe der Probanden wird es sein, zwei Internet-Dokumente (mit Quelleninformationen) zu einem kontroversen sozialwissenschaftlichen Thema zu lesen und anschließend eine Reihe von Fragen dazu zu beantworten.

L. Ditrich, AG Soziale Prozesse & M. Lachmair, AG Multimodale Interaktion
Die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten:
Eine Untersuchung prosozialer Effekte hoch immersiver virtueller Realitäten

Zusammenfassung: Über die Medien verbreiteten Informationen können zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen, indem sie das Problembewusstsein erhöhen und es den Medienkonsumenten ermöglichen, informierte Entscheidungen über ihr Verhalten zu treffen. Insbesondere im Hinblick auf eines der gravierendsten gesellschaftlichen Probleme - den Klimawandel – zeigten sich in der bisherigen Forschung gemischte Auswirkungen des Medienkonsums. Wir nehmen an, dass Medieneigenschaften ein Faktor sind, der zu diesen gemischten Effekten beiträgt. Das vorliegende Projekt untersucht daher, wie sich Immersion als Medienmerkmal (d.h. die technischen Aspekte, die es den Nutzern ermöglichen, ein Gefühl der Präsenz in einer mehr oder weniger realistischen, virtuellen Welt zu erleben) auf die Effekte auswirkt, die klimabezogener Informationen auf die Absichten der Mediennutzer, umweltfreundliches Verhalten zu zeigen, haben. Wir nehmen an, dass hoch (vs. niedrig) immersive Umgebungen in der Lage sind, das Problembewusstsein zu fördern und damit pro-soziales (d.h. umweltbewusstes) Verhalten zu fördern. Darüber hinaus wird untersucht, wie Immersion die Empathie mit einer Gruppe beeinflusst, die stark vom Klimawandel betroffen ist. Diese Effekte werden in zwei Studien untersucht, in denen hoch immersive Medien-Displays (z.B. Virtual-Reality-Brillen) mit Standard-Displays verglichen werden. Damit wollen wir die pro-sozialen Folgen von Immersion beleuchten und so einen Beitrag zur Erforschung der sozialen Auswirkungen von Virtual-Reality-Umgebungen leisten.

A. Scholl, AG Soziale Prozesse & H. Meyerhoff, AG Realitätsnahe Darstellungen
Kausalitätsheuristiken und die Rolle von Stress & Kontrolle in konflikthaften Situationen

Zusammenfassung: Menschliche Informationsverarbeitung baut oftmals auf Heuristiken auf (d.h. schnellen, einfachen Bewertungen). Solche Heuristiken helfen dabei, „kognitive Konflikte“ zu lösen – d.h. perzeptuell ambigue Situationen zu interpretieren. Aus der Forschung zu Perzeption wissen wir einiges darüber, welche möglichen Heuristiken Menschen hier anwenden. Bisher ist allerdings wenig darüber bekannt, in welchen sozialen Kontexten Menschen solche Heuristiken verstärkt anwenden. Dieses Projekt betrachtet daher unter einer sozialpsychologischen Perspektive die Rolle des sozialen Kontextes (u.a. Stress, Kontrolle und Macht) – und untersucht damit „kognitive Konflikte“, die durch die Aufgabe (ambigue Informationen auf dem Screen), aber auch durch den Kontext selbst geschaffen sind (z.B. einen Mangel an Kontrolle, den Menschen versuchen wiederherzustellen).