AG Wissenskonstruktion

Die Arbeitsgruppe befasst sich primär mit Situationen, bei denen durch die web-basierte Zusammenarbeit von Personen neues Wissen entsteht. Dabei stehen Wissensprozesse in Communities und die gemeinsame Konstruktion von Wissensartefakten durch Social Software im Vordergrund. Die Forschung der Arbeitsgruppe erfolgt in zwei Forschungslinien.

Informelles Lernen und Wissensaustausch im Internet

Diese Forschungslinie untersucht das Zusammenspiel von kollektiven und individuellen Lernprozessen in Social Software-Umgebungen. Sie fragt, wie der Nutzer durch seine Aktivitäten im Internet Wissen erwirbt und wie eigenes Wissen zum Bestandteil der allgemein zugänglichen Wissensressource wird. Grundlage ist hierbei das Modell der Ko-Evolution von Cress und Kimmerle (2008), das den Nutzer als kognitives System und die Community und das Artefakt als soziales System versteht, die strukturell gekoppelt sind. Die Prozesse, die sich zwischen beiden Systemen abspielen, und die zur Ko-Evolution beider Systeme führen, werden unter drei Perspektiven betrachtet: Die sozial-motivationale Perspektive thematisiert die Frage, was einen Nutzer dazu motiviert, am Wissensaustausch zu partizipieren und welchen Einfluss die Wahrnehmung der Gruppe dabei hat. Untersucht wird dies an Online Communities im Labor und im Feld. Die kognitive Perspektive fragt, inwieweit der Nutzer von dem im Internet vorhandenen Wissen profitieren kann, und inwieweit die Beteiligung an kollektiven Wissensprozessen zum beiläufigen Wissenserwerb führt. Die kollaborative Perspektive schließlich fragt, wie und wann es zum gemeinsamen Aufbau neuen Wissens kommen kann. Dabei befruchten sich experimentelle Laborforschung und Feldforschung. In dieser Forschungslinie sind die Projekte der Leibniz Graduate School for Knowledge Media Research School integriert. Im Projekt Patongo werden diese theoretischen Befunde auf eine Wissensaustauschplattform der Evangelischen Kirche angewandt.

Innovative Lernsettings in formalen Bildungskontexten

Diese Forschungslinie beschäftigt sich mit der Entwicklung und Erforschung von medienunterstützten Lernsettings in Schule und Hochschule. Im Projekt e-teaching.org wird ein Portal betrieben, das sich an Hochschullehrer wendet und aktuelle Inhalte zum medienunterstützten Lernen adressatengerecht dargestellt. Konzeptionell geht es im Projekt außerdem um die Verzahnung des zentralen Portals mit den lokalen Webseiten der Hochschulen, die technisch durch Content Syndication realisiert wird. Daneben wird die Community von Experten, Nutzern und Hochschulberatern weiter ausgebaut. Im Projekt Rechnen mit Medien werden in enger Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Prof. Nürk am Psychologisches Institut der Universität Tübingen die Potenziale erforscht, die Medien für das Training basaler Rechenfähigkeiten haben. Zum Einsatz kommt dabei die digitale Tanzmatte oder das Smartboard.