AG Wissensaustausch

Diese Arbeitsgruppe befasst sich mit neuen netzbasierten Kommunikationsszenarien, die keine direkte Entsprechung in herkömmlichen Lernsituationen haben. Beispiele für solche Szenarien sind der Wissensaustausch beim kollaborativen Design und der netzbasierte Wissensaustausch in Gruppen, deren Mitglieder örtlich verteilt sind. Im Gegensatz zu bereits gut untersuchten Ansätzen, welche die Interaktion zwischen Gruppenmitgliedern explizit, d.h. durch Instruktion, strukturieren, stellt die Arbeitsgruppe Wissensaustausch implizite Gestaltungsmechanismen in den Vordergrund. Bei impliziten Ansätzen geht man davon aus, dass der Austausch zwischen Kommunikationspartnern nicht immer der Steuerung im Sinne expliziter Instruktion bedarf, sondern in hohem Maße durch die jeweiligen situativen Gegebenheiten beeinflusst wird, insbesondere durch die Beschaffenheit der Kommunikationstools. Diese Kommunikationstools bestimmen die Bandbreite möglicher Ausdrucksformen, die den Kommunikationspartnern zur Verfügung stehen, um sich mitzuteilen. Sie legen auch den Umfang des Informationsangebots, über das die Kommunikationspartner verfügen können, fest. Welche impliziten Gestaltungsprinzipien zu einem besonders effizienten und lernförderlichen Wissensaustausch führen, wird in der Arbeitsgruppe im Rahmen der folgenden zwei Forschungslinien untersucht:

Wissensaustausch beim kollaborativen Design

In dieser Forschungslinie untersuchen wir visuelle Designaktivitäten, wie beispielsweise das gemeinsame Gestalten von Multimedia-Präsentationen mit digitalen Bildern, Grafiken, Text und Videos. Visuelle Designaktivitäten sind komplexe "rhetorische Problemstellungen", deren Lösung von der Interaktion sozialer, kognitiver und technischer Einflussfaktoren abhängt. In einer Reihe von empirischen Projekten werden diese Einflussfaktoren und entsprechende kognitive und kollaborative Wirkmechanismen unter die Lupe genommen - mit besonderem Fokus darauf, wie Lernende in Designaufgaben Wissen austauschen, visuelle Informationen suchen, selektieren, verarbeiten und diskutieren. Die einzelnen Projekte beziehen sich sowohl auf Design als Lehr-/Lernstrategie in der (medien)pädagogischen Praxis (digitale Videos im Schulunterricht), als auch auf verwandte Strategien zur Förderung der Wissens-, Meinungs- und Interessensbildung beim informellen Lernen in größeren visuellen Kommunikationsräumen (digitale Medien im Museum).

Förderung des Wissensaustauschs durch Group Awareness Ansätze

Diese Forschungslinie beschäftigt sich mit der Analyse, der Entwicklung und der experimentellen Überprüfung von Kommunikationswerkzeugen, die interaktionsbegleitend Kontextinformationen bereitstellen (sog. Group Awareness Tools). Dabei werden insbesondere kognitive Informationen erfasst und visualisiert, die in face-to-face Situationen üblicherweise nicht zur Verfügung stehen (z.B. Einstellungen, Präferenzen, Wissensstand) und somit zu einem Mehrwert computerbasierter Kommunikation beitragen. Mit dieser Forschungsperspektive wird gezielt ein Kontrapunkt zu Forschungsarbeiten gesetzt, die die Hindernisse und Fallstricke netzbasierter Kommunikation betonten und damit eine defizitäre Sichtweise auf diese Kommunikationsform nahe legten. Im Rahmen von sieben Projekten werden Group Awareness Tools entwickelt, die sich hinsichtlich verschiedener Dimensionen wie der Art, der Erfassung, der Verarbeitung und der Präsentation der Kontextinformationen voneinander unterscheiden.